Die verschleierte Dame
Der Glaube an die Verschleierte Dame ist eine der drei Hauptreligionen, die in Arkenthal vertreten sind. Er ist eine monotheistische Glaubensform, der die namensgebende Göttin verehrt.
Zentrale Glaubenssätze
Die verschleierte Dame ist eine Göttin der Wahrheit, Mäßigkeit und Ordnung. Sie ist eine stille Göttin, die sich selbst vor denen, die an sie Glauben zumindest in Teilen verhüllt. Der Glaube an sie beruht auf vier zentralen Glaubenssätzen.
I - Alles Wesentliche ist verhüllt.
"Die Dame zeigte der Welt nicht ihr Antlitz, denn Wahrheit, die sich ungefragt enthüllt, verbrennt den Blick des Sterblichen. Darum ist alles, was Bestand hat, zuerst verborgen."
Der Glaube an die verschleierte Dame besteht darauf, das nichts, das wirklichen Wert trägt, dem nackten Auge ersichtlich ist. Alles Wissenswerte ist verborgen und bedarf, gefunden zu werden. Die Suche nach Wahrheit braucht Zeit und Geduld. Wer schnelle Antworten sucht, will keine Wahrheit finden, nur Beruhigung.
So ist die Suche nach Wahrheit wesentlicher Bestandteil des Glaubens. Das Hinterfragen von allem, was offensichtlich scheint, da die Wahrheit laut dem Glaubenssatz verschleiert sein mag.
II - Nicht Wissen, sondern Maß.
„Die Welt zerbrach nicht am Mangel an Erkenntnis, sondern am Überfluss jener, die glaubten, alles tragen zu können. Maß ist der Schleier, der den Verstand bewahrt.“
Im dieser Religion ist nicht die Suche des Wissens, sondern das Maß zu finden, was gewusst werden sollte, maßgeblich. Denn Wissen allein kann so heilig wie gefährlich sein. Zu finden, was man wissen darf und sollte, ist die wahre Kunst und eine Fertigkeit, die der Glaube an die Verschleierte Dame zu perfektionieren sucht.
III - Die Dame sieht, doch sie richtet selten.
„Die Verschleierte ist Zeugin aller Wege, doch sie legt das Urteil nicht leichtfertig an. Denn Schuld entsteht nicht aus Gedanken, sondern aus der Tat, die den Schleier zerreißt.“
Der Glaube lehrt, dass Gedanken, Zweifel, sogar heimliche Wünsche keine Sünde sind. Erst das bewusste Handeln gegen das Gleichgewicht trägt Schuld. Moral liegt in Verantwortung, nicht in Reinheit.
IV - Jeder Schleier hat seine Zeit.
„Kein Schleier wurde geschaffen, um ewig zu bleiben. Was heute schützt, kann morgen vergiften. Darum prüfe den Augenblick, denn auch das Verbergen hat seine Schuld.“
In diesem Glauben sind Geheimnisse und das verschleiern der Wahrheit keine Sünde, sondern oft zum Teil erwünscht und gefordert. Doch gibt es zu Bedenken, das jede Wahrheit seine Zeit hat, gezeigt zu werden. Sünde wird es also erst, wenn die Intention besteht, ein Geheimnis fristlos zu behalten und seinen Schleier nie zu lüften. Es gibt für jede Wahrheit einen richtigen Moment so sehr es einen falschen gibt. Die Aufgabe des Gläubigen ist, jene zu unterscheiden.
Aspekte der Verschleierten Dame
Die Hüterin der Geheimnisse
Die verschleierte Dame ist ebenso Göttin des Wissens wie sie Göttin der Täuschung ist. Auch Wahrheit und Lüge gehören zu ihren Domänen.
Die Zeugin
Die Dame ist allgegenwärtige Beobachterin von Schwüren, Eiden und Übergängen. So gehören auch diese, sowie die Ehrbarkeit und Redlichkeit zu ihren Aspekten.
Die Trösterin im Zwielicht
Die Dame gilt auch als Begleiterin in Verlust, Tod und Schuld, nicht als Richterin, sondern als stiller Trost. Sie residiert über das Dazwischen: zwischen Leben und Tod, Schuld und Vergebung, Hoffnung und Resignation.
Die Mahnerin der Mächtigen
Die verschleierte Dame ist ein Mahnbild der Mäßigkeit. So duldet sie keine Tyrannei, doch fordert auch den Gehormsam jener, die untergeordnet stehen.
Darstellung der Verschleierten Dame
Wie der Name es bereits erwarten lässt, sind die meisten Darstellungen der Göttin durch zahlreiche Schleier verhüllt. In manchen Stilisationen sieht man Teile ihres Gesichtes, einen sanft lächelnden Mund. Andere verhüllen sie komplett. Auch die Geweihten der Dame tragen oft Schleier, doch müssen diese sie nicht verhüllen. Sie sind eher symbolisch als ein tatsächliches Werkzeug der Anonymisierung.